Bild: © erwo1 - Ein blaues Stethoskop liegtn in einem medizinischen Buch
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Unter welchen Voraussetzungen besteht ein Schadenersatzanspruch aufgrund zufälliger Ähnlichkeit zwischen einer mit einem Familiennamen bezeichneten Romanfigur und einem realen Namensträger? Ist der Autor bei Verwendung eines ungewöhnlichen Namens zu einer Namensrecherche verpflichtet?

Nun, ist es so, dass das Bestehen eines Schadens alleine noch nicht bedeutet, dass der Verursacher auch ersatzpflichtig wird.

Der Schaden war gerichtlich festgestellt.

Wenn nach der Lebenserfahrung vernünftigerweise eine solche Schädigung nicht in Betracht gezogen zu werden brauchte, besteht kein Anspruch auf Ersatz.

Im Fall der Ähnlichkeit der Romanfigur mit einer realen Person hat das Erstgericht sogar festgestellt, dass der Kläger wegen der Verwendung seines Namens als Bezeichnung einer Romanfigur einen Umsatzrückgang erlitten habe, trotzdem wurde die Klage abgewiesen.

Es besteht eine Haftung nämlich nur für jene Folgen eines Verhaltens, mit deren Möglichkeit abstrakt gerechnet werden musste. Es darf also nicht ein ganz atypischer Erfolg vorliegen.

Wenn die Möglichkeit eines bestimmten Schadenseintritts so weit entfernt war, dass nach der Lebenserfahrung vernünftigerweise eine solche Schädigung nicht in Betracht gezogen zu werden brauchte, besteht kein Anspruch auf Ersatz. Insbesondere besteht keine Haftung, wenn als weitere Ursache für einen Schaden ein freies menschliches Handeln hinzukam, mit der der Schädiger nach der Lebenserfahrung nicht zu rechnen brauchte.

Der Autor gab der Romanfigur den selben Namen wie die reale Person.

Der Beklagte gab einer Nebenfigur seines erfolgreichen Romans den ungewöhnlichen Namen eines Arztes. Die Romanfigur hatte aber nicht nur denselben ärztlichen Beruf erlernt, stammte aus derselben Stadt, war etwa gleich alt sondern litt ebenso wie früher der Kläger unter einem Bandscheibenvorfall. Ansonsten bestanden aber keine Übereinstimmungen zwischen der Romanfigur und dem Arzt. Vielmehr war die Romanfigur als ein geradezu absurd gezeichneter Straftäter, der seinen Bandscheibenvorfall beim Einbruch in das Kunsthistorische Museum in Wien erlitten hatte und später neben medizinischen Instrumenten auch noch das „Cordoba-Original-Trikot“ eines ehemaligen Kapitäns der österreichischen Fußballnationalmannschaft stahl.

Für das Gericht war aber nicht nachvollziehbar, dass die Verwendung des Namens auf dieser Grundlage zu einem messbaren Umsatzrückgang in der Ordination des Klägers führen würde. Denn unter normalen Umständen wäre bei Lesern des Buches, die den Kläger kennen, nach Ansicht des Gerichts ein belustigtes, allenfalls schadenfrohes Lächeln zu erwarten gewesen, keinesfalls aber eine dadurch verursachte Entscheidung gegen eine medizinische Behandlung durch den Kläger. Die Verursachung eines Vermögensschadens kann daher nur mit ganz außergewöhnlichen, objektiv völlig unvorhersehbaren Reaktionen von potentiellen Patienten erklärt werden.

Aus diesem Grund war der Autor bei Verwendung eines ungewöhnlichen Namens auch nicht zur Recherche über allfällige Namensträger verpflichtet.

Offen blieb, ob nicht trotzdem ein Unterlassungsanspruch bestehen könnte.

Dieses Ergebnis bedeutet aber nicht, dass nicht dennoch ein Anspruch auf Unterlassung gegeben wäre, nur, darüber musste der OGH nicht entscheiden. Die Antwort auf diese  Frage blieb offen.

(OGH vom 17.12.2013, 4 Ob 154/13w)

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