Interview und Symbol-Nacktfoto: Verletzung des Rechts am eigenen Bild mangels Kennzeichnung als Symbolfoto

Statue der Venus auf der Fassade des Lloyde Palazzo in Triest, Italien (Bild: © emmeci74)
Statue der Venus auf der Fassade des Lloyde Palazzo in Triest, Italien (Bild: © emmeci74)

Es ist nicht jede Frau automatisch damit einverstanden, wenn ein Interview in einer Zeitung über eine Brustoperation mit der Abbildung nackter Brüste illustriert wird. Immerhin handelt es sich um eine sehr intime Thematik, die sehr persönliche Fragen berührt.

In einer Zeitung wurde ein Interview über die geplante Klageführung einer Frau gegen den Hersteller eines Brustimplantats veröffentlicht. Die Operation war nicht aus kosmetischen Gründen erfolgt, sondern wegen einer Brustkrebserkrankung (es wurde ein Implantat in eine Brust eingesetzt). Die Klägerin hatte der Veröffentlichung des Interviews zugestimmt und ein Foto zur Verfügung gestellt, auf dem sie bekleidet zu sehen war.

Schließlich wurde der Bericht dann mit großer Überschrift und einem Bild der (bekleideten) Klägerin auf der Titelseite angekündigt. Im Blattinneren fand sich ein weiteres Bild (das von der Klägerin zur Verfügung gestellt worden war und sie bekleidet zeigte). Ausserdem gab es ein Portraitfoto des Gesichts der Klägerin.

Die Beifügung des Bildes nackter weiblicher Brüste zum Foto der Klägerin und zum Bericht über ihre geplante Klage wegen der Brustoperation ging über den von der Einwilligung der Klägerin erfassten Teil ihres Privatlebens hinaus und stellten eine Verletzung der schutzwürdigen Interessen an der Wahrung der Intimsphäre dar.

Es gab auch ein Nacktfoto, das nicht als Symbolfoto gekennzeichnet war.

Stein des Anstoßes war, dass der Bericht auch noch mit einem weiteren Bild illustriert war, das nackte weibliche Brüste mit eingezeichneten Operationsschnitten ohne Kopf und Unterleib zeigte. Auf dem Bild war zwar nicht die Klägerin zu sehen – es handelte sich um ein bloßes Symbolfoto – das Foto war aber nicht als solches gekennzeichnet.

Die Klägerin war nicht mit der Darstellung des Nackfotos im Zusammenhang mit ihrem Interview einverstanden (auch wenn es sich um eine fremde Person handelte)

Wie gesagt, hatte die Klägerin der Veröffentlichung des Interviews samt Veröffentlichung des verwendeten Fotos auf der Titelseite zugestimmt, sie war aber nicht mit der zusätzlichen Abbildung nackter Brüste einverstanden.

Hätte sie gewußt, wie der Artikel illustriert wird, hätte sie abgelehnt. Weder hatte sie der Zeitung gestattet, ihren Oberkörper nackt zu fotografieren noch hatte sie Fotos ihres unbekleideten Oberkörpers zur Verfügung gestellt.

Die Klägerin beanstandete daher auch nicht die Veröffentlichung des nicht ihren Oberkörper zeigenden Bildes an sich, sondern die Veröffentlichung ihrer Lichtbilder im Zusammenhang mit dem (fremden) Nacktfoto.

Das Gericht gab der Klage statt. Die Beifügung des Bildes nackter weiblicher Brüste zum Foto der Klägerin und zum Bericht über ihre geplante Klage wegen der Brustoperation ging über den von der Einwilligung der Klägerin erfassten Teil ihres Privatlebens hinaus. Durch den Zeitungsbericht wurden ihre schutzwürdigen Interessen an der Wahrung ihrer Intimsphäre verletzt.

Die Einwilligung der Klägerin zur Veröffentlichung ihrer Bilder bezog sich auf den Begleittext und die von ihr gemachten Fotos, nicht jedoch auf die Veröffentlichung in Kombination mit dem Nacktfoto einer dritten Person, das nicht als Symbolfoto gekennzeichnet war, und daher vom Publikum ihr zugeordnet wird.

Verletzung des Namensrechts

Darüber hinaus lag eine Verletzung des Namensrechts vor, weil über den Namensträger etwas unrichtiges ausgesagt wird, das sein Ansehen und seinen guten Ruf beeinträchtigt, ihn bloß stellt oder lächerlich macht.* Die Interessenabwägung und die ihr zugrundeliegenden Wertungen im Zusammenhang mit Ansprüchen wegen des Rechts am eigenen Bild sind – nach Ansicht des OGH – auf die Beurteilung von Ansprüchen des Namensträgers infolge Namensnennung übertragbar.**

(OGH vom 19.11.2013, GZ 4 Ob 162/13x)

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*) OGH, GZ 4 Ob 51/12x mwN
**) OGH, GZ 4 Ob 51/12x

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