Ist eine ‚Fotostrecke‘ ein urheberrechtlich geschütztes Werk?

Bild: © pressmatter - Fotostrecke mit Fotomodel
Bild: © pressmaster

Grundsätzlich ist ein Werk urheberrechtlich geschützt, wenn eine individuell eigenartige Leistung vorliegt, die sich vom Alltäglichen, Landläufigen, üblicherweise Hervorgebrachten abhebt.

Wie verhält es sich dabei bei einer Aneinanderreihung von mehreren Lichtbildern („Fotostrecke“)? Kann eine solche Aneinanderreihung von Modefotos individuelle Züge aufweisen, wenn es sich nicht um eine „Fotostory“ mit durchgehender Handlung handelt, die eine „abgeschlossene Geschichte“ erzählt?

Ein freischaffender Fotograf stellte im Bereich künstlerischer Portrait- und Modefotografie im Auftrag eines mit einem bekannten österreichischen Model eine Mode-Fotostrecke zum Thema „Frühjahrskleider für verschiedene Anlässe“ her.[1]

Nach dem europäischen Werkbegriff bedarf es keines besonderen Maßes an Originalität. Es genügt, dass eine individuelle Zuordnung zwischen Werk und Schöpfer insofern möglich ist, als dessen Persönlichkeit aufgrund der von ihm gewählten Gestaltungsmittel zum Ausdruck kommt und eine Unterscheidbarkeit bewirkt.

Vereinbart war, dass ihm die Auswahl der Fotos sowie die Art und Weise der Veröffentlichung überlassen bleibe.

Entgegen dieser Vereinbarung veröffentlichte das Printmedium eine Version der Fotostrecke, deren Layout nicht den Vorgaben des Klägers entsprach: Die Fotos wurden auf nur fünf statt sechs Seiten veröffentlicht. Die Reihenfolge der Fotos wurde geändert, ebenso die Bildausschnitte und das Format bei mehreren Fotos. Wegen der ungeraden Seitenzahl erfolgte ein Abdruck auf der fünften Seite gegenüber einer bezahlten Anzeige für ein ballaststoffreiches, verdauungsförderndes Joghurt.

Die Rechtsprechung geht – wie gesagt – davon aus, dass nur eine individuell eigenartige Leistung, die sich vom Alltäglichen, Landläufigen, üblicherweise Hervorgebrachten abhebt, urheberrechtlich geschützt ist. Die Schöpfung muss zu einem individuellen und originellen Ergebnis geführt haben. Beim Werkschaffenden müssen persönliche Züge – insbesondere durch die visuelle Gestaltung und durch die gedankliche Bearbeitung – zur Geltung kommen (dem Allerweltserzeugnis, der rein handwerklichen Leistung, die jedermann mit durchschnittlichen Fähigkeiten ebenso zustande bringen würde, fehlt die erforderliche Individualität).[2]

Nach dem europäischen Werkbegriff bedarf es keines besonderen Maßes an Originalität. Es genügt, dass eine individuelle Zuordnung zwischen Werk und Schöpfer insofern möglich ist, als dessen Persönlichkeit aufgrund der von ihm gewählten Gestaltungsmittel zum Ausdruck kommt und eine Unterscheidbarkeit bewirkt.[3, 4]

Nach Auffassung der Gerichte kann auch der Gestaltung einer Fotostrecke ein individuelles gedankliches Konzept zu Grunde liegen. Im konkreten Fall kam die Persönlichkeit des Klägers im Titel („R…s [Nachname des Models] neue Kleider“), in der Auswahl der gezeigten Kleider, den vom Model eingenommenen Posen, der Reihenfolge der Fotos sowie der Verwendung eines Stuhls als verbindendes Element zum Ausdruck; es handelt sich um ein Gesamtwerk im Sinnes des Gesetzes.

Die Gestaltung der Fotostrecke war keine bloß zufällige Aneinanderreihung mehrerer Fotografien, sondern sie war das Ergebnis einer eigenen geistigen Schöpfung des Fotografen, in der dessen ganz persönliche Wahl der Gestaltungselemente zum Ausdruck kommt.

Dass andere Fotografen möglicherweise zu einem sehr ähnlichen Ergebnis gelangt wären, steht dem Werkcharakter einer solchen Fotostrecke noch nicht entgegen, weil ein bestimmtes Mindestmaß an Individualität hiefür nicht erforderlich ist.[5]
________________________________
[1] OGH vom 18.11.2008, GZ 4 Ob 175/08a
[2] Nachweise bei Kucsko in Kucsko, urheber.recht 89 f; RIS-Justiz RS0076397, RS0076841 [T12]; RS0076435, RS0076367, RS0076913
[3] 4 Ob 179/01d = ÖBl 2003, 39 – Eurobike; 4 Ob 274/02a = MR 2003, 162 – Felsritzbild; 4 Ob 103/07m
[4] M. Walter, Österreichisches Urheberrecht I Rz 131 mwN in FN 380
[5] 4 Ob 179/01d = ÖBl 2003, 39 – Eurobike

bildundrecht.at