Bild: © bruniewska - Female nude in a reclining position
Hier keine Fotomontage eines Nacktfotos sondern ein unmontiertes Aquarellbild. (Bild: © bruniewska)

Das Recht am eigenen Bild soll jedermann gegen den Mißbrauch seiner Abbildung in der Öffentlichkeit, schützen. Dabei geht es darum, daß ein Bildnis nicht auf eine Art benützt wird, die zu Mißdeutungen Anlaß geben kann oder entwürdigend oder herabsetzend wirkt.[1]

Auch allgemein bekannte Personen, wie zum Beispiel Politiker und Schauspieler, haben Anspruch darauf, daß die Allgemeinheit auf ihre Persönlichkeit Rücksicht nimmt. Auch deren Privat- und Intimsphäre ist geschützt und die Verbreitung von Bildern unzulässig, die entstellend wirken oder die – allenfalls erst im Zusammenhang mit der Bildunterschrift oder dem Begleittext – den Abgebildeten der Neugierde und Sensationslust der Öffentlichkeit preisgeben.[2]

Die Veröffentlichung eines Nacktfotos gegen den Willen des Abgebildeten ist geradezu ein klassischer Fall der Benützung des Bildes in einer Art „die zu Mißdeutungen Anlaß geben kann … und entwürdigend wirkt (OGH vom 17.09.1996, GZ 4 Ob 2249/96f).

Trotz des in den letzten Jahrzehnten eingetretenen tiefgreifenden Wandels in der Einstellung der Gesellschaft zur Sexualität und dem Abbau vieler Tabus wird es nach wie vor von vielen, wenn nicht den meisten Menschen als peinlich empfunden, sich in der Öffentlichkeit nackt zu zeigen. Daß es sich daher niemand gefallen lassen muß, ohne seine Zustimmung zum Beispiel in einer Zeitschrift – gar auf dem Titelblatt – nackt dargestellt zu werden, ist daher nach Ansicht des Obersten Gerichtshofes offenkundig. Die Veröffentlichung eines Nacktfotos gegen den Willen des Abgebildeten ist geradezu ein klassischer Fall der Benützung des Bildes in einer Art „die zu Mißdeutungen Anlaß geben kann … und entwürdigend wirkt.“[3]

Ob schutzwürdige Interessen des Betroffenen durch die Veröffentlichung eines Bildnisses beeinträchtigt werden und zu wessen Gunsten die Interessenabwägung ausschlägt, hängt im Allgemeinen von den besonderen Umständen des Einzelfalls ab und wirft in der Regel keine erhebliche Rechtsfrage auf.[4]

Siehe hierzu Zum Recht am eigenen Bild und zum Bericht über die Entscheidung des BGH in Deutschland: Nacktfotos müssen nach Ende der Beziehung gelöscht werden, wenn der Abgebildete nicht weiter eingewilligt hat.

In ständiger Rechtsprechung folgt der Oberste Gerichtshof in Österreich dabei der Judikatur des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, wonach im Zusammenhang mit der Veröffentlichung von Fotos und Artikeln und der Interessenabwägung zwischen Art 8 EMRK und Art 10 EMRK danach zu unterscheiden ist, ob die Veröffentlichungen nur dem Zweck dienten, die Neugier eines bestimmten Publikums im Hinblick auf Einzelheiten aus dem Privatleben einer bekannten Person zu befriedigen, oder ob sie als Beitrag zu einer Debatte von allgemeinem gesellschaftlichen Interesse angesehen werden können; im ersteren Fall gebietet die freie Meinungsäußerung eine weniger weite Auslegung.[5]

In einem Fall, den der Oberste Gerichtshof im Juli 2015 zu entscheiden hatte, ging es darum dass die Abgebildete zwar zuvor schon selbst für Akt- und Halbaktfotos zur Verfügung stand. In dem Fall kam aber noch dazu, dass in einem Videobeitrag eine Bezugnahme auf das „älteste Gewerbe der Welt“ hergestellt und Mitwirkung an – in Österreich sogar strafbarer – „Sterbehilfe“ unterstellt wurde. In Wahrheit war die Abgebildete ehrenamtlich in einem Hospiz tätig. Zudem wurde durch die montierten Nacktfotos neben Fotos von Gräbern der – unzutreffende – Eindruck erweckt, die Klägerin habe sich nackt auf Friedhöfen vor frischen Gräbern abbilden lassen. Damit wurde ihr, so der Oberste Gerichtshof, ein höchst pietätloses Verhalten unterstellt.[6]

Es ist daher im Einzelfall die Veröffentlichung montierter Nacktfotos dennoch eine Verletzung der Rechte der Abgebildeten in ihrem Recht am eigenen Bild, auch wenn es sich um eine prominente Personen handelte, die schon zuvor für Akt- und Halbaktfotos zur Verfügung stand. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass es sich um Fotomontagen handelte.

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[1] OGH vom 17.09.1996, GZ 4 Ob 2249/96f; EB in Peter, Urheberrecht 617
[2] SZ 67/114 = ÖBl 1995, 135 – Marmor, Stein und Eisen mwN aus dem Schrifttum
[3] OGH vom 17.09.1996, GZ 4 Ob 2249/96f
[4] RIS-Justiz RS0077903 [T9]
[5] RIS-Justiz RS0123987
[6] OGH vom 31.7.2016, GZ 6 Ob 132/15b

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