Das Affen-Selfie und das Urheberrecht

Quelle: Wikimedia - Self-portrait by the depicted Macaca nigra female; rotated and cropped by David Slater.
Quelle: Wikimedia – Self-portrait by the depicted Macaca nigra female; rotated and cropped by David Slater.

Der Naturfotograf David Slater machte in Indonesien Aufnahmen von Makaken. Im Zuge der Aufnahmearbeiten schnappte sich ein Makake seine Kamera und flüchtete damit. Als Slater seine Kamera etwas später wieder fand, stellte er fest, dass der Affe einige Male den Auslöser betätigt hatte. Zwar waren die meisten der Fotos unbrauchbar, auf einigen waren aber erstaunlich gute Selfies zu sehen, die das Tier von sich gemacht hatte.

In der Folge wurden diese Fotos über Umwege unter anderem auf Wikimedia hochgeladen. Slater wandte sich dagegen und argumentiert, er habe die Schnappschüsse „hergestellt“, und „es war seine Kunst und Idee, die Affen mit der Kamera spielen zu lassen und er habe alles stets im Blickwinkel gehabt. Er sei davon ausgegangen, dass die Affen den Auslöser betätigen und eine Chance bestand solche Foto zu erhalten“.

Wikipedia hingegen vertrat die Auffassung, dass „Fotograf ein Tier und kein Mensch gewesen sei, es gebe daher kein Copyright auf das Foto, unabhängig davon, wer das Gerät, mit dem das Foto erstellt wurde, besitzt.

Die Auseinandersetzung zwischen Slater und Wikipedia wurde schließlich dadurch entschieden, dass das United States Copyright Office am 22. Dezember 2014 bekannt gab, dass „Werke von einem nicht-menschlichen Wesen, nicht dem Copyright unterliegen“ und als Beispiel eine „Foto von einem Affen gemacht“ erwähnt wurde.

Nach österreichischem Recht ist Urheber einer Fotografie, wer sie geschaffen hat, also gemeinhin der Fotograf (vgl § 10 UrhG). Dies kann ebenfalls nur ein Mensch sein. Rein maschinell hergestellte Bilder unterliegen nicht dem Lichtbildbegriff. Es gab zwar auch in der österreichischen Rechtsprechung ein Beispiel, in denen der Mensch nicht unmittelbar sondern nur mittelbar den Auslöser betätigte. Es gab aber einen entsprechenden menschlichen Beitrag. Zumindest die erforderlichen technischen Arbeiten (Beschaffung der Materialien, Installation und Programmierung des Gesamtsystems, Einstellung der Kamera einschließlich Wahl des Kamerastandorts und damit auch des Bildausschnitts) erbrachte ein Mensch (OGH GZ 4 Ob 15/00k), Dadurch waren die hergestellten Lichtbilder auf menschliches Tun bei der Herstellung zurückzuführen.

Aus meiner Sicht ist das (zufällige oder absichtliche) „Überlassen“ der Kamera an einen Affen nicht ausreichend, dass dabei noch von menschlichem Tun bei der Herstellung des Fotos gesprochen werden kann. Das Affen-Selfie dürfte auch nach österreichischem Recht keinen Urheberrechtsschutz genießen.

Wikipedia Artikel „Monkey selfie“

United States Copyright Office

Artikel auf The Guardian

OGH vom 1.2.2000, GZ 4 Ob 15/00k; Platena, Das Lichtbild im Urheberrecht, 32 ff

bildundrecht.at

Ernst Mühlfellner
Mag. Ernst Mühlfellner ist Rechtsanwalt in Wien. Er ist auf die Rechtsgebiete Urheberrecht, Film-/Videorecht, Fotorecht, IT-/Softwarerecht und Recht für Web- und Grafikdesign spezialisiert.